Wanderer & Wonderer – Wanderer & Wunderer: Wo die Magie spricht

Auf den Pfaden des Wanderers und Seekers, Suchenden, bin ich oft an Grenzen gestoßen und noch viel öfter über Grenzen gegangen: zwischen Ländern, zwischen physischen und nicht-physischen Welten, teils dehydriert, müde, entkräftigt, auch mal wohnungslos, obdachlos oder an Naturpfaden im Wald schlafend…  oder in städtischen Parks wie in Japan, bei McDonalds, während der Monsun den Regen gegen die Scheiben presste. Immer auf der Suche nach Alternativen, alternativen Antworten, alternativen Ursprüngen, Philosophien, Lebensweisen, Mythen aus Kosmovisionen, die Erzählungen und ursprüngliches Leben geboren haben.

Das Leben lässt sich nicht in Büchern festhalten und lesen, vielleicht einiges, aber die meisten Bücher sind von Menschen außerhalb des kulturellen und traditionellen Kontexts geschrieben; sie tragen oft die Handschrift aus dem Verständnis weißer Männer, mit überstülpenden Perspektiven, Assoziationen und Vergleichen aus ähnlichen Überlieferungen und Texten. Puzzle-Spiele. Keine guten Erzählungen. Sie sprechen die lebendige Sprache des Lebens nicht. Sie haben keinen Grund und keinen nährenden Boden aus Kulturen Tausender Jahre, deren Denken und Sprachen aus und in der Natur artikulierten. Diese alten Sprachen sind rar geworden. Sie sind phonetische Übertragungen, Gesang, tellurischer Rhythmus, kosmischer Atem.

Es gibt Sprachen ohne personales Subjekt: kein Du, Ich, Wir oder vielleicht ein Wir. Es gibt Sprachen ohne Vergangenheit und Zukunft. Kein es war, es wird, ich habe noch. Alles, was war und ist und sein wird, existiert noch, jetzt oder schon. Es gibt Sprachen mit Entschlüsselungsmustern, Poesie, Metaphern, Lauten, Klicks, Schnalzen und aus der Geografie des Landes. Es gibt Sprachen, die können nichts mental über etwas ausdrücken, sondern nur daraus und damit, als eins, all-eins mit dem Pferd, dem Wind, der Sonne, dem Wasser.

Wassernd glitzern, schöpfen im Licht des Vaters, der Mutter. Ein spielvolles Beispiel aus unserer inkompatiblen Lunguistik für: „Ich bin im Wasser, das von der Sonne glitzert.“

Wann immer ich Menschen zuhöre und versuche zu verstehen, was sie sagen, sagen möchten, woher ihre Gedanken und Ideen in dem gemeinsamen Moment entspringen, frage ich, welche Quelle dahinter ist, welches Konzept, welches soziale Branding. Ich versuche zu spüren, erspüren, erschnüffeln, erlesen – doch speziell zu erfühlen, was sich ausdrückt. Und wie oft treibt es mich verrückt und die mentale Unzulänglichkeit macht nervöse Zuckungen, bis sie sich beruhigt und unschuldig wird, dann nicht mehr unzulänglich ist. Mentale Leere. Offenes Herz.

Manchmal sagen sie, die Menschen herzlichen Sprachgebrauchs, dann: „Du versteht die Wörter nicht mit dem Kopf aber mit dem…“ und zeigen auf mein Herz.

Diese Suche, dieses Wandern, nach Alternativen auf diesem Planeten, in der Menschheit und ihren einzigartigen Ausdrucksformen und Formeln für das Leben, hat mich viel gelehrt und viel gekostet. Es hat Gräben zwischen mir und meiner Familie, Freunden und geliebten Menschen gefurcht. Manche so tief und weit, dass der Mensch auf der anderen Seite verschwunden ist und ich für ihn oder sie. Manche Gräben aus dem sozialen Branding sind verschwunden und führten Getrenntes zusammen. Es ist zumeist ein einsamer Weg der ständigen Erneuerung. Viel Blut, Narben, Schmerz, Macht, Kontrolle, Herrlichkeit, Freude, Zauber liegen in all dem.

Wer wirklich verstehen möchte, darf nicht nur ein Buch aufschlagen, eine Doku schauen, durch die (großen) Städte dieser Welt ziehen, hier und da was aufschnappen, ein wenig eintauchen und arrogant weiterziehen. Ich war dort auch und muss trotz der tieferen Einsichten noch sagen: ich habe noch immer keine Ahnung. Es gibt so viele Alternativen zu der Lebensform, die uns als Kinder geprägt hat. Ich habe Kinder gesehen, die Schach in einem indischen kleinen Ort spielten, sich auf 3 Sprachen unterhielten und in einer vierten Sprache ihr Dhal bestellten.

Sprache und Leben, Offenheit und Freude am Neuen bringen uns einander näher. Vielleicht werden wir einander verstehen, so wie es zu Zeiten waren, als die Abenteurer über Land und Meere zogen – noch bevor die Idee von Besitz und Gütern relevant war, als die Begegnung mit dem Leben interessant war. Es ist die Neugierde, die uns ins und durch das Leben trägt. Warum dann halten? Warum nicht noch ein paar Schritte weitergehen? Ja, ich liebte das Essen an den Straßenrändern Indiens – bis auf den einen Samosa. Ich genoss es am Strand Thailands zu campen, bei einer außerordentlichen Strand-Gemeinschaft in Malaysien für ein paar Tage zu bleiben, mich mit den Mayas auch auf Spanisch unterhalten zu können, mit den Aborogines and Maoris auf Englisch, den Q’eros zu lauschen, wenn sie die Pflanzen und Berge mit ihren tatsächlichen Namen benannten, von den Ovambos schon im Flugzeug nach Namibia einige Sätze zu lernen, von Japanern in ihre Häuser eingeladen zu werden, im Dschungel Australiens Steinofen-Pizzas neben Reptilien zu backen, im phosphoreszierendem Wasser zu baden, den Legenden der Länder zuzuhören, einige Medizin- und Heilpraktiken zu erfahren, Menschen mit großen und ganz kleinen Herzen zu begegnen, Wunder anzunehmen, wenn alles ausweglos schien, den Tauchschein im Paradies zu machen, in Neuseeland die Orcas jagen zu sehen, Schwitzhütten unterschiedlicher Farben kennenzulernen, Kräuter und Wälder, Wüsten, Savanne, karge, spitze Berge und ihre Geister aufzunehmen, an Meeren und Seen, blauen und schwarzen, gelben, verschlammten Flüsse zu stehen, den Pfad Shivas ein wenig beäugt zu haben, die Sadhus und Yogis am Ganges und die starke Frauen mit überfüllten Körben, Kräuter- und Medizin-Frauen und -Männer beobachtet und mit ihnen gestaltet zu haben.

In dieser Einheit ist klar, dass wir abseits des Ausdrucks des Lebens in bestimmten Regionen alle ein schlagendes Herz tragen, eine Liebe zum Leben, wenn wir ihr das Leben gestatten und dem Leben die Liebe, eine Sprache aus einem Puls der Erde und des Himmels, der großen Schöpfung, die eine Erde in dieses Sonnensystem geboren hat, die diese lebende, sich fortpflanzende Materie kreiert hat, so dass menschliche Körper hier ein zu Hause haben, angepasst an Bedingungen jeweiliger Regionen, separiert und als Nomaden lebend ohne Besitz und Gier, aber mit scharfen Überlebensinstinkten und in Kommunikation mit der Mutter, der Erde, der Schöpfung, wie wir sie uns kaum noch vorstellen können.

Wir haben vergessen. Die kollektive Amnesie hat die Liebe des Lebens begraben, hat viele Leben genommen, Gräber gefüllt. Und wir trauern. Wir trauern ums Leben und die Liebe der Großen Mutter, um ihre und unsere Kinder. Einst pochte ihre Liebe in jederfraus und jedermans Brust und belebte diese Körper, wehte durch sie, trieb sie an. Einst war Harmonie. Noch lange bevor die Bücher sprechen und uns lehren wollten von Tempeln und blutigen Schlachten.

Lange lange lange davor… als Mitgestaltung der Puls in unseren Adern war. Unsere Körper heute weit entfernt von diesem gesunden Puls. Ein Verstehen ohne Vergangenheit oder Zukunft, aber in der Spirale des Lebens, in der ja, Frühjahr wiederkehrt, aber ein Frühjahr nie einem anderen Frühling gleicht und nie wird. Leben wächst mit der Aussaat. Nichts führt jemals zurück, auch wenn die Samen vom letzten Jahr sind, so gestalten sie mit ihrem Wissen etwas Neues mit den Zutaten dieses Jahres. Das Leben strebt weiter… dahin… es fließt, webt, schreitet… pulsiert…

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