(Vorlesung)
Die Schwitzhütte ist ein Ort, an dem wir unser Selbst treffen, unsere eigenen Fäden fühlen in dem schöpfenden Gewebe zwischen jeher und diesseits, zwischen Himmel und Erde, im Ozean des Seins, in dem alles ist. Das klingt sehr weit und so ist es auch.
SIE stellt dir die Frage: Wo und wie bist du gerade was? Und SIE fragt: Möchtest du dich befreien?
Die Schwitzhütte symbolisiert die große schwangere Mutter, in deren Wasser wir einst genährt und aus der wir eins(t) geboren worden sind. Ihr Bauch ist der Raum, ihr Unterleib ist die kreative Schöpfung, in der das Leben sich orchestriert, organisiert und in alle Richtungen bewegt. Hier kannst du dir die Frage stellen, wo du in diesem Gewebe gerade deine Fäden webst, wo du spinnst, wo du welche Fäden ignorierst, wo du welche zu sehr spannst, was du korrigieren und für dich oder für andere in die Welt geben möchtest.
Die Schwitzhütte versöhnt uns mit der kosmischen Schöpfungsgeschichte hier auf der Erde. Du bist nackt und machst dich nackig vor ihr, in ihrer Dunkelheit, als gäbe es nur dich und ihr Ohr, ihr Herz, ihre Arme, als gäbe es nur die heißen Steine und den Dampf, der dich durchzieht, in Wallungen kommen lässt und deinen inneren Fluss erhitzt. In diesem Dreiklang und im Räucherwerk hast du die Wahl, deine Gedanken, Gefühle und Worte so lange an sie zu richten, bis du leer(er) bist, bis du selbst wieder so leer bist wie zu deiner Geburt – dein Kopf klar, dein Körper gereinigt und pulsierend, dein Herz mit dem göttlich funkenden Feuer vereint, dein Raum weit und wieder mit den relevanten Fäden in der Hand.
Die Schwitzhütte erlaubt es uns in die Schöpfungsgeschichte bewusst einzutauchen, sie nochmals zu erfahren und zu erkennen, was zwischen dir und ihr steht, welche Tendenzen, Scherze, welch eigener Dünkel. So wird sie 4-mal ihre Dunkelheit lüften – am Anfang wird sie dich empfangen, dann werden die glimmenden Steine, Großväterchen, hineingeführt, später wird sie ihr Tor noch 3-mal öffnen und bei der letzten Öffnung darfst du hinaus und deine ehrliche Arbeit wird belohnt vor den Augen aller Ahninnen und Ahnen, Verwandtinnen und Verwandten – mit der sogenannten Wiedergeburt, wenn du aus dem Bauch in die Welt schlüpfst.





Die Schwitzhütte hört dann nicht auf. Sie wirkt nach und deine Ehrlichkeit wird weiterhin etwas von dir verlangen: die Leere zu dehnen, die Reinigung aufrechtzuerhalten, die Änderung anzunehmen und verantwortlich umzusetzen. Du transformierst.
SIE hat deine Grenzen getestet und du hast diese Lebensprobe angenommen und aus dieser Herausforderung wächst du. Nun bist du es, die/der dieses Wachstum ermöglicht. Die große Mutter ist und bleibt bei dir. Das ist der entscheidende Punkt. Sie verlässt dich nicht und nach einer Schwitzhütte wird dir vielleicht klarer sein, was es bedeutet im Einklang mit ihr zu leben.
Die Liebe ist unendlich
Zu einigen Retreats und auch auf persönliche Anfragen leite ich Schwitzhütten nach der Art des Raben, nach dem Geflüster der Erde und der Sterne. Die Kuppel der Hütte ragt aus der Erde in die Sterne und dazwischen befreien wir die sabotierenden Anbindungen, stärken dabei die fördernden Verbindungen mit Klärungen, Gebeten und Gesängen. Zumeist bin ich in Schwitzhütten an Orten anderer Hüter aktiv und mein Herz ist dankbar, dass sie ihre Türen für die Arbeit öffnen. In Zukunft sind auch individuelle Schwitzhütten angedacht. Das Schwitzen im Erdbauch ist ein ur-altes Ritual, das auch den dunkelsten Dünkel löst und begräbt oder erhebt.