Wir sind da. Wir schöpfen. Mit den Händen, mit den Herzen, mit dem Gesang und unseren Leibern. Wir setzten Teig an, den wir in den Ofen schieben, in diese große warme Höhle, in diesen Schoß, in dem die vermengten, gekneteten Zutaten backen und backen. Etwas Nährendes, etwas Neues entsteht. Brot wird geboren. Durch unsere Hände erweckt sich neues Leben. Auch der Ton, der durch unsere Hände Form annimmt, geht in die Hitze, wird in einem unterirdischen oder überirdischen Ofen gebacken. Wir gestalten etwas aus dem Ungesehenen, bevor es zu bald wieder vergeht. Mit der Wärme, dem Feuer wird Wasser entzogen und die Kreation wird fest, standhaft, beständiger. In den großen Töpfen der Welt entsteht dann wieder vielerlei. Es ist ein Matruschka-Prinzip: ein Gefäß, der Ofen, schafft ein weiteres Gefäß, und dieses Weitere hält dann Raum, vermischt andere Möglichkeiten, also Zutaten. Es hält Raum für Kakao und dessen unterschiedliche, exquisite Rezepte. Diese entstehen durch tüchtige Hände, die vorab in dieser erdigen, braunen Masse wirkten – wie im Teig, im Ton, in der Erde.
Es ist eine stille Revolution – die Hände und die Gesänge finden ihre Arbeit in der Erde und die Stimmen werden an den Himmel gerichtet. Sie sind Erinnerung an all die, zumeist Frauen, die in jeder Zeit mit der Erde und ihren Gaben gearbeitet haben, die dem Flüstern der Pflanzen zuhörten und dem Wind den Duft durch rösten, kochen und backen ihre Dankbarkeit mitgaben. Es kann nicht aufhören. Diese Tätigkeiten können nicht aufhören. Wenn die Frauen die Erde vernachlässigen, ihr nicht mehr zuhören, nicht mehr aus und mit ihr schaffen, sind die letzten Stricke zu Gaia, der Erdmutter, gerissen und die letzten Lieder verklungen. Stille und Unverbundenheit. Was bleibt dann übrig?
Nur gut, in allen Teilen dieser Erde singen und tanzen sie, schaffen und bauen, sprechen, flüstern, hören zu. Es ist ein Hauchen; eine leise Briese mäandert durch die Lande. Sie berührt. Die Berührung ist sanft; sie kitzelt, weckt den Körper. Nein, es gibt kein Entrinnen mehr. Küssende Lebenswinde strömen in alle Richtungen und vitalisieren die Knochen. Umarmende Erdwärme regeneriert die Samen und beschwichtigt das Blut.
In jenem Moment, in dem eine Frau, ein Mann ihren feuchten Boden berührt, und sie oder er nach Erlaubnis und Führung fragt, um zu kreieren, wird sie oder er Teil ihres Strömens, Flüsterns und ihrer Weisheit.
Schon vor 1000en von Jahren machten sie Gefäße, sie verbanden sich mit der Erde, dem Boden, dem Ton, jede mit ihren Händen, Füßen und ihrem Atem. Sie nahmen ihre Botschaft auf; Hingabe und kreativer Ausdruck durch sie. Vielleicht schufen sie eingenistet in den getöpferten Formen, Designs aus der Kosmovision ihrer Gemeinschaft. Dann als sie sesshaft wurden vor ca. 10.000 oder 11.000 Jahren nach der letzten frostigen Periode, begannen sie den Formen mehr Ausdruck zu geben, Gesichtern, Tatzen, Kürbiskörper. Jedes Stück und jedes Ding wurde mit einer Aufgabe versehen. Mehr und mehr sprachen die Tonarbeiten aus, wurden verfeinert und später um Metallgegenstände wie aus Kupfer, Gold und Silber erweitert.
Heute nennen einige die geformte und später bemalte Keramik, Fundstücke von Kultur und Tradition oder sprechende Bücher. Die Überbleibsel berichten uns. Dank der wissenschaftlichen C14-Analyse von Substanzen erzählt auch der Inhalt noch mit uns. So wurde herausgefunden, dass die ersten Kakao-Getränke aus dem Amazonas-Hochgebiete wohl vom fermentierten Fruchtfleisch und nicht von der fermentierten, gewaschenen, getrockneten und gerösteten Bohne stammen. Mehr als 5.300 Jahre ist diese Substanz alt. Sie lässt die wissenschaftliche und spirituelle Gemeinschaft rästeln. Wann und wie wurde Kakao zu dem, was er heute ist? Oder zumindest zu dem, was in Mittelamerika seit Jahrhunderten zu verköstigen ist?
Dort in Guatemala und speziell in Mexiko, wohin der Kakao wanderte, sehen wir die Frauen aus großen Tonkrügen Kakao schöpfen. Mehr als 20 Kombinationen und per Region abgewandelte Rezepte werden an den Straßen angeboten wie Tejate, Pozol, Tascalate oder Popo. Kakao mit Mais, mit geröstetem Mais, Kakao mit Blüten, Kakao mit anderen Kräutern und färbenden Extrakten wie Achote. Ein Krug pro Rezept. Da beginnt unsere Schreibung und Erzählung zwischen Keramik und Kakao…
Nun, gestalten, formen, brennen und mahlen wir?

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